Mohammed Waldemar

Bienvenue Mohammed Waldemar! Geboren am 14. Oktober 2018. Du bist ein Sonntagskind. Ein Sonntagskind wie auch ich, geboren am Sonntag, 22. Juli 1964. Uns Sonntagskinder wird nachgesagt, dass wir vom Glück besonders begünstigt sind. Stimmt. Zumindest für mich!

Ich erinnere mich genau an die Autofahrt, als Tanor, Dein Papa, mir sagte: „Wenn es ein Bub wird, wird er Mohammed Waldemar heissen. Mohammed, nach unserem Propheten, und Waldemar, nach meinem Patron“. Und als er es sagte, lachte er, so wie er oft lacht – herzhaft, schalkhaft, auf Augenhöhe. Ich war berührt, etwas verlegen. Auch verunsichert, wie ich darauf reagieren soll. Aber gefreut, gefreut habe ich mich mehr, als ich es ihm zeigen konnte. Ich mag ihn, deinen Vater, dieses Schlitzohr. Von ihm wird erzählt, dass er sich vor Jahren als Chauffeur bei der Botschaft beworben hat. Obwohl er ausser der Hupe wenig im Auto richtig bedienen konnte.  

Er hat es trotzdem geschafft, einen begehrten Job bei der Botschaft zu ergattern. Wenn nicht als Fahrer, dann halt eben als Hauswart. Das ist vielleicht weniger gefährlich, aber nicht weniger überraschend. Denn nein, ein Handwerker war dein Papa auch nicht wirklich. War, weil er in den vergangenen 1 ½ Jahren, in welchen wir fast täglich miteinander kleinere Arbeiten verrichten, einiges dazu gelernt hat. Und ich auch. Nicht zwingend korrektes Französisch. Das habe ich erst in den letzten Monaten gelernt, dass nicht immer Französisch ist, was französisch tönt.

Weisst Du, Mohammed Waldemar, Marion, meine Frau, hat nicht unrecht, wenn sie sagt: „ Ja, ja der Tanor, dein Chouchou.“ Ja, ich mag es, wenn ich ihn im Garten singen höre. Ich mag es, wie er anpackt, mitdenkt und sich für keine Arbeit zu gut fühlt. Ich höre ihm gerne zu, wenn er mir erzählt, dass sein Vater vier Frauen und 32 Kinder hat. Und ich glaube, er hört mir zu, wenn ich ihm sage, dass kein Gott will, dass ein Mann 32 Kinder zeugt. Du, Mohammed Waldemar, hast zwei Schwestern und eine Halbschwester. Vor ca. einem Jahr hat dein Papa sich eine zweite Frau genommen. Er erklärte mir damals, dass seine erste Frau, deine Mutter, zu viel schwatzt „Elle parle toujours, toujours!“. Mein Einwand, dass doch zwei Frauen mindestens doppelt soviel schwatzen wie eine und sich das Problem damit nur verschärfe, kam bei ihm nicht an. „Non, non, non. Tu ne comprends pas, patron.“, schüttelte er den Kopf.

Nun bist du sein  erstgeborener Sohn. Sonntagskind und hast einen Toubab (ein Weisser) als „Götti.“  Kein schlechter Start.

Vielleicht macht das den Unterschied. Den Unterschied, dass du dereinst vielleicht eine Schule besuchen kannst. Eine Schule, wo du lesen und schreiben lernst. Wo du verstehst, wie unverantwortlich es ist, 32 Kinder auf die Welt zu stellen, für deren Weiterkommen Mann niemals sorgen kann. Um zu verstehen, dass Armut und Gleichstellung der Frauen einen direkten Zusammenhang haben. Und diese Hoffnung ist es, die mich losschickt, dich mit einem Geschenkkorb willkommen zu heissen und dich mit einem Auge zu begleiten. Und natürlich die Freude an der Ehre, dein Namensvater und Götti zu sein!

Bonne chance, Mohammed Waldemar!

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